Heimatgeschichte Thyrnau-Kellberg
Heimatgeschichte Thyrnau-Kellberg

Die Kellberger in den Kriegen

Das ausgehende Mittelalter um 1500

 

 

 

 

Betreten wir die Kellberger Kirche und gelangen zum Grabdenkmal des Watzmannsdorfers Degenhart II., so sieht uns aus dem Gesicht des Ritters die Zeit des Mittelalters an. Streng und würdevoll blickt der Kellberger Adelige durch das halbe Jahrtausend, das seit seinem Tod im Jahre 1506 vergangen ist. In seiner Rüstung steht er vor uns, das Visier geöffnet, die gepanzerte linke Hand umfasst das Schwert, die Rechte hält die Lanze, daran das im Wind flatternde Banner, Zeichen seiner militärischen Befehlsgewalt. Mit diesem Ortsadeligen, der in der Kirche ruht, die seine Vorfahren erbauten, haben wir das Idealbild des ritterlichen Kriegers vor uns. Wir haben keine Nachricht, an welchen kriegerischen Auseinandersetzungen er beteiligt war. Sicher aber ist, dass sie dem Schutz seiner Heimat Kellberg dienten.

 

Der Türkenkrieg 1598

Hundert Jahre später wird mit einem Epitaph im Chor der Kellberger Kirche eines anderen Kriegers gedacht, der im Auftrag des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gegen die Türken kämpfte. Julius Benedikt Schätzl, „...wellicher in Ungarn wider den Erbfeind zu Ross und Füess zu underschidlichen Zeiten gedient. Letztlicher aber Anno 1598 in dem grossen sturmb vor Offen (Budapest) geschossen und verwundet, bald hernach sein leben geendet ...“.

Dieser Gefallene kniet im Harnisch vor dem Kreuz, mit dem Schwert umgürtet, den Helm abgenommen.

Der Deutsch-Dänische Krieg 1849

Im Auftrag des Deutschen Bundes beteiligte sich das Königreich Bayern zusammen mit Preußen an der Unterstützung des Aufstandes der Schleswiger und Holsteiner gegen den Versuch der dänischen Vereinnahmung. Bayern stellte ein kleines Kontingent von 4 Bataillonen, unter ihnen fünf Kellberger, deren Namen nicht bekannt sind. Von den Teilnehmern besitzen wir aber ihre Feldzugs-Kreuze mit der Jahreszahl 1849.

Der Deutsche Bruderkrieg 1866

Tragisch war die Auseinandersetzung zwischen den Kriegsparteien Österreich-Bayern auf der einen und Preußen auf der anderen Seite. Österreich und Preußen suchten militärisch eine Vormachtstellung zu erreichen. Durch ein Bündnis mit Österreich wurde Bayern in die Auseinandersetzung hineingezogen. Der Sieg der Preußen unter Generalfeldmarschall Graf Moltke über die Österreicher bei Königgrätz bedeutete auch für die Bayern eine Niederlage.

Fünf Teilnehmer an diesem Krieg sind uns namentlich bekannt: Karl Müller aus Buchsee, Markus Kimminger aus Kellberg, Andreas Höfler aus Mitteröd und ein Lichtenauer. Die drei Letztgenannten sind auf der Gedenktafel für die Teilnehmer des l. Weltkrieges als Veteranen mit abgebildet. Eine Konsequenz aus der Niederlage zog die Bayerische Armee 1868 durch die Einführung der Allgemeinen Wehrpflicht.

Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71

Auseinandersetzungen um die Thronfolge in Spanien führten zum Deutsch-Französischen Krieg, dessen Ergebnis die Gründung des zweiten Deutschen Kaiserreiches war, wobei auf Vorschlag des angesehensten deutschen Fürsten, König Ludwigs II. von Bayern, der König von Preußen im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles zum Deutschen Kaiser proklamiert wurde.

Auf deutscher Seite kämpfte das Erste bayerische Armeekorps unter General von der Tann siegreich bei Orleans gegen eine dreifache Übermacht.

Kriegsteilnehmer: Markus Kimminger (Kellberg), Franz Wandl (Satzbach), Alois Saxinger (Wingersdorf), Matthias Bauer (Eggersdorf), Matthias Friedl (Birket) und Franz Heindl (Satzbach).

Der Kellberger Krieger- und Soldatenverein ist erfreulicherweise im Besitz von Foto-Portraits der Kriegsteilnehmer von 1866 und 1870/71.

Der "Boxeraufstand" in China 1900-1901

China verpachtete 1898 die Hafenstadt Kiautschou an das Deutsche Reich. Der fremdenfeindliche chinesische Geheimbund der „Boxer“ besetzte die Deutsche Gesandtschaft in Peking sowie die der Russen, Franzosen und Engländer und veranlasste damit das militärische Eingreifen dieser Staaten. Im deutschen Kontingent kämpfte auch ein Kellberger. Die aus der 1901 siegreich beendeten Expedition nach Kellberg heimgebrachte Frontmedaille zeigt auf der einen Seite den Reichsadler, sich auf den chinesischen Drachen stürzend, und auf der anderen Seite die Deutsche Kaiserkrone, darunter ein „W“ für Wilhelm II. und den Satz: DEN SIEGREICHEN STREITERN -1900-CHINA-1901. Den Oberbefehl über das europäische Expeditionskorps hatte der deutsche Generalfeldmarschall Graf Waldersee.

Wer der Chinakämpfer war, ist nicht mehr festzustellen, aber seine Front-Medaille wurde an das Kellberger Fahnen-Ordensband geheftet.

Der 1. Weltkrieg 1914-1918

Die Ursachen des Krieges lagen zum einen in der französischen Revanchebestrebung seit der Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und dem damit verbundenen Verlust von Elsass-Lothringen, zum andern in der wachsenden panslawistischen Bewegung bzw. der Expansionspolitik Russlands auf dem Balkan zu Lasten Österreichs, mit dem Deutschland im Bündnis stand. Des Weiteren empfand Großbritannien die deutsche Flottenaufrüstung als Bedrohung. Die Ermordung des österreich-ungarischen Thronfolgers Franz Ferdinand am 28.6.1914 war dann nur noch der kriegsauslösende Zündfunke.

Die Bayerische Armee wurde als 6. deutsche Armee geführt, die an der Westfront kämpfte. Den Oberbefehl hatte SKH Generalfeldmarschall Kronprinz Rupprecht von Bayern.

Den Oberbefehl über die „Südarmee“ am Balkan hatte der General der Infanterie Felix Graf Bothmer. Kommandeur der 4. bayerischen Infanteriedivision war Generalmajor SKH Prinz Franz von Bayern.

Aus der damaligen Gemeinde Kellberg bzw. aus der darüber hinausreichenden Pfarrei Kellberg waren in diesen Jahren durchschnittlich 150 Männer zum Wehrdienst eingezogen. In den letzten Kriegsjahren verringerte sich diese Zahl, da Militärpflichtige zu den kriegswichtigen Betrieben in den Graphitgruben in Schörgendorf, Niedersatzbach, Kapfham und Fattendorf entlassen wurden.

Bei Rothammer und Kern (Fattendorf), Schreiner (Kapfham) und Schinkinger (Schörgendorf) waren 3 Söhne im Feld. Bei Ritzer (Eggersdorf) waren 4, bei Eichberger = Gmoaner (Eggersdorf) 5 und bei Höfler (Mitteröd) 6 Söhne an der Front.

Schwer verwundet wurden: Paul Schiermeier (Kellberg), Josef Schauer (Fattendorf), Ignaz Neumüller (Zwölfling).

Kriegsteilnehmer: Alle Kriegsteilnehmer sind auf der ungewöhnlich großen und schönen Gedenktafel (Abb. s. u.) im Vereinslokal Gasthaus Grübl in Kellberg aufgeführt. Diese „Ehren-Chronik“ des Veteranen- und Kriegervereins, wie er sich damals nannte, wurde 1926 angelegt und von der Vorstandschaft unterschrieben: l. Vorstand Josef Bauer, Kassier Josef Neumüller, Schriftführer Franz Grübl. Die Umschrift der Ehren-Chronik lautet: DEN KOMMENDEN GESCHLECHTERN ZUM STETEN GEDENKEN AN DEN KAMPF DEUTSCHER MÄNNER GEGEN 31 NATIONEN DER ERDE!

In den Ecken der Darstellung sind die Wappen der verbündeten Länder zu sehen. Links oben das Deutsche Kaiserreich, rechts oben das König- und Kaiserreich Österreich, links unten das Osmanische Reich, die heutige Türkei, und rechts unten das Königreich Bulgarien. Die Kellberger kämpften im l. Weltkrieg in folgenden großen Schlachten:

Frankreich-Belgien:

Mühlhausen, Münster, Lothringen, Nancy-Epinal, Verdun, Argonnen, Soissons, Reims, Cambrai, Somme, Noyon, Bapaume, Lille, Arras, St. Quentin, Armentiers, Kemmelberg, Ypern, Flandern.

Russland:

Dünaburg, Riga, Schaulen, Warschau, Gorlice, Lemberg, Przemysl, Wlodawa, Cholm, Kawel, Kobryn, in der Ukraine: am Styr und Stochod, im Dongebiet.

Rumänien:

Roter Turmpass, am Arges, am Sereth, Putna, Susita, Rimnicul, Sarat.

Gefallene und Vermisste im ersten Kriegsjahr 1914:

Peter Bichlmaier (Kapfham), Jakob Fürst (Kapfham), Friedrich Kittl (Kellberg), Johann Höfler (Mitteröd), Josef Böhmisch (Satzbach), Johann Gründinger (Satzbach), Markus Peter (Schörgendorf), Johann Neumüller (Kapfham), Johann Fisch (Schörgendorf), Johann und Ludwig Schießl (Kapfham), Matthias Wandl (Satzbach).

1915:

Max Duschl (Wingersdorf), Alois Blechinger (Buchsee), Heinrich Fisch (Wingersdorf), Alois Wagner (Löwmühle), Alois Bauer (Fattendorf-Mühle).

1916:

Josef Stadler (Kellberg), Josef Draxinger, Max Höfler (Mitteröd), Otto Weber (Satzbach), Ludwig Ilg (Kapfham) Max Weber (Satzbach), Franz Wipplinger (Wingersdorf), Ludwig Wandl (Leithen), Josef Lang (Aichet), Josef Eichberger (Eggersdorf), Alois Höfler (Mitteröd), Ludwig Endl (Kellberg).

1917:

Johann Zillner (Bleich), Matthias Böhmisch (Buchsee), Georg Poxleitner (Leithen), Franz Aschberger (Kellberg).

1918:

Johann Raßhofer (Kapfham), Max Fisch (Schörgendorf), Johann Reischl (Zwölfling), Konrad Ritzer (Eggersdorf), Alois Steindl (Buchsee).

Auszeichnungen:

Die meisten Kellberger Kriegsteilnehmer wurden mit dem Verdienst-Kreuz oder dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet Der später als vermisst gemeldete Ludwig Endl, Knecht in Kellberg, erhielt die Goldene Tapferkeitsmedaille.

Während des Weltkrieges ist in der Kellberger Pfarrkirche viel gebetet worden. Wöchentlich traf man sich zu drei außerordentlichen Rosenkranz-Andachten. Nach Zeitzeugen empfingen die Krieger ausnahmslos vor dem Ausrücken die Kommunion. Der Briefverkehr zwischen der Heimat und der Front war rege, eine Flut von Briefen hin und her, ein ununterbrochener Strom von Liebesgaben an die Angehörigen im Felde.

 

Eine Nachricht aus Kellberg, nach Kriegsende verfasst, hält folgendes fest: „...Es besteht große Sehnsucht nach Frieden. Anfangs zuversichtliche Stimmung, die bei den erstaunenswerten Leistungen und Siegen berechtigt war. Der bejammernswerte Zusammenbruch kam ganz unerwartet. Trotz des „Versailler Friedens“ noch kein Friede. Eine systematische Quälerei und Zerstörung aller Ordnung durch den Feind. Durch die Geldentwertung eine Teuerung, die unerhört ist, dazu gesellt sich Arbeitslosigkeit Was wird die Zukunft bringen? Bürgerkrieg, Chaos?

Maria, Königin des Friedens, bitte für uns!“

Der 2. Weltkrieg

Die Namen der Gefallenen und Vermissten sind am Kellberger Kriegerdenkmal in Stein gemeißelt, und das Gedenkbuch in der Leonhardi-Kapelle hält auch im Bild die Erinnerung an die im Felde Gebliebenen wach. Einer späteren Zeit soll es vorbehalten sein, neutral ohne Tendenzen über Kellberger Soldaten in diesem Krieg zu berichten.

Wiederherstellung der verloren gegangenen Geschichte des Kellberger Krieger- und Soldatenvereins anhand der Vereinsgüter

Der Kellberger Krieger- und Soldatenverein gehört zu den soldatischen Traditionsvereinen, die unmittelbar nach dem Deutsch-Französischen Krieg und der Gründung des zweiten Deutschen Kaiserreiches 1871 ins Leben gerufen wurden. Der Kriegerverein ist im Besitz kostbarer materieller und vor allem ideeller Vereinsgüter, die die besten Belege zum Thema „Die Kellberger in den Kriegen“ darstellen.

 

A. DIE VEREINSFAHNE

An erster Stelle ist die alte Vereinsfahne aus der Zeit der Königlich-Bayerischen Armee zu nennen, kunstvoll gestaltet im Jahre 1884. Die Umschrift um das damalige Bayerische Staatswappen lautet: FÜR GOTT-KÖNIG-VATERLAND. Die Rückseite trägt in äußerst qualitätvoller Silberstickerei die Inschrift Veteranen & Krieger Verein Kellberg 1884.

B. DAS FAHNEN-ORDENSBAND

Von besonderer Bedeutung für die Kellberger Kriegervereinigung ist das Fahnen-Ordens-und Medaillen-Band, das die Orden und Medaillen vor 1914 zeigt. Dieses Fahnenband sucht seinesgleichen! Das Band zieren 52 Orden, Frontabzeichen, Dienstabzeichen, Jubiläums- und Verdienstmedaillen. Kellbergs soldatische Tradition kann damit über die Vereinsgründung von 1872 hinaus deutlich belegt werden. Die 52 Orden und Medaillen, die in drei senkrechten Reihen das 110 cm lange und 14 cm breite Fahnenband zieren, setzen sich zusammen aus:

1) Ganz oben am Fahnenband befindet sich eine Dienstauszeichnung 2. Klasse der Königlich Bayerischen Landwehr von 1876. In einer Metallschnalle ist auf einem Seidenband „L II“ eingewoben, die Initialen für König Ludwig II., den obersten Befehlshaber der Bayerischen Armee.

2) Darunter ist der Königlich Bayerische Militär-Verdienst-Kreuz-Orden am Bande aus dem Deutschen Bruderkrieg 1866 angeheftet. Er wird gebildet von einem Kreuz, das dunkelblau emailliert ist und dessen Kreuzbalken zweizackig auslaufen. Im Zentrum der goldene gekrönte Löwe der Bayerischen Armee, eingefasst von einem weißemaillierten Kreis in Form eines Militärgürtels, darauf die Jahreszahl 1866. Der Gürtelkreis der anderen Seite trug einmal die Inschrift MERENTI (dem Verdienten). Im Zentrum stand in Gold das gekrönte „L“ für König Ludwig II. Diese Einlage der zuletzt beschriebenen Ordensseite, die einmal die Vorderseite darstellte, ging verloren.

3) 5 Feldzugs-Kreuze, sogenannte Ruppertus-Kreuze, am weiß-schwarzen oder weißschwarz-roten Bande sind der Beleg für die Teilnahme von 5 Kellbergern am Feldzug gegen Dänemark im Jahre 1849. Die Kreuze zeigen deshalb auf der Rückseite die Jahreszahl 1849 und auf der Vorderseite in der Kreuzmitte den gekrönten Löwen.

4) 6 Krieger-Kreuze mit den gleichen Bandfarben stehen für den Einsatz im Deutschen Bruderkrieg gegen Preußen. Sie zeigen die Jahreszahl 1866 und dieselbe Vorderseite wie die Kreuze des Jahres 1849.

5) Aus dem Deutsch-Französischen Krieg der Jahre 1870/71 wurden 17 Front-Medaillen angeheftet. Die Vorderseite der Medaille zeigt ein Kreuz in Form des Eisernen Kreuzes und die Jahreszahlen 1870-1871, die Rückseite eine Krone, darunter das „W“ Kaiser Wilhelms I. und die Umschrift „Dem siegreichen Heere - Gott war mit uns - Ihm sei die Ehre“. 9 der 17 Medaillen haben am Außenrand die Umschrift „AUS EROBERTEM GESCHUETZ“.

6) Zum 100. Geburtstagsjubiläum des Deutschen Kaisers Wilhelm l., des obersten Feldherrn des vereinigten Deutschen Heeres im 70er Krieg, erhielten 14 frühere Kellberger Frontkämpfer eine Medaille am Bande, dieses je nach Rang in unterschiedlicher Farbe. Die große, ovale Medaille zeigt auf der Vorderseite das Bild des Kaisers mit der Inschrift: „WILHELM I. - DER GROSSE DEUTSCHE KAISER - KÖNIG VON PREUSSEN. Auf der Rückseite: ZUM ANDENKEN AN DEN HUNDERTSTEN GEBURTSTAG DES GROSSEN KAISERS WILHELM I. - 1797 - 22. MAERZ 1897“.

7) Die Teilnahme eines Kellbergers an der Niederschlagung des „Boxeraufstandes“ in den Jahren 1900/01 in China belegt eine Medaille, die schon oben beim China-Feldzug beschrieben wurde.

8) Der beschriebenen Medaille gegenüber findet sich eine Landwehr-Verdienst-Medaille II. Klasse, die dem Jahre 1913 zuzuordnen ist.

9) Der Verweser des Königreiches Bayern, Prinzregent Luitpold, zeichnete 4 Kellberger im Jahre 1905 mit einer großen goldfarbenen ovalen Medaille aus, die die Königskrone ziert. Die Vorderseite zeigt das Portrait des Prinzregenten und die Jahreszahlen 1837 - 1909. Auf der Rückseite steht „AM 70. JAHRESTAG MEINES DIENSTANTRITTES DER BAYERISCHEN ARMEE GEWIDMET VII.III.MCMV“.

10) Die Abschlussmitte des Fahnen-Ordensbandes bildet ein silbernes Dienst-Kreuz „FÜR 25 JAHRE TREUE MITGLIEDSCHAFT“.

11) Links und rechts davon zwei Verdienst-Kreuze der Armee. Die Vorderseiten tragen die Inschrift „FÜR KÖNIG UND VATERLAND“, die Rückseiten „IN TREUE FEST!“ Gehalten werden die Verdienstkreuze von Ordensschnallen; die eine hat die Inschrift: „K.B.3.CHEV.RGT.H.K.TH.“ (Königlich Bayerisches 3. Chevaulegers Regiment Herzog Karl Theodor), die andere hat die Inschrift: „K.B.11.INF.R.v.d.TANN“ (Königlich Bayerisches 11. Infanterie Regiment von der Tann). Die Ordensschnalle des erstgenannten Verdienst-Kreuzes zieren auf einem Seidenrippband die Königskrone und gekreuzte Reitersäbel mit Raupenhelm, die zweite Ordensschnalle zeigt gekreuzte Gewehre mit einem Infanteriehelm. Die Auszeichnungen gehören in die Zeit König Ludwigs II., wobei die erste belegt, dass Kellberger auch der Leichten Reiterei angehörten.

C. DIE EHRENTAFEL DER KRIEGSTEILNEHMER 1866 - 1870/71 - 1914-1918 im Nebenzimmer des ehemaligen Vereinslokales im Gasthaus Schwarz. Das Besondere ist, dass Teilnehmer des Feldzuges 1866 und 1870/71 im Bild festgehalten sind.

 

D. DIE GROSSE EHRENTAFEL FÜR DIE KRIEGSTEILNEHMER, VERMISSTEN UND GEFALLENEN DES 1. WELTKRIEGS aus der ehemaligen Gemeinde Kellberg im Gastzimmer des Vereinslokales Schwarz, Kellberg. Diese Tafel wurde unter dem Thema l. Weltkrieg bereits beschrieben.

E. DAS KRIEGERDENKMAL FÜR DIE 38 GEFALLENEN UND VERMISSTEN DES l. WELTKRIEGS aus der Pfarrei Kellberg in einer Nische der Eingangshalle der Pfarrkirche. Es hält die 38 Namen der Gefallenen und Vermissten fest. Dieses qualitätvolle Denkmal wurde vom Passauer Bildhauer Kagleder geschaffen. Bei der Materialauswahl legte man einen besonderen Gedanken zugrunde. Verwendet wurde nämlich Steinmaterial aus den Hauptkampfgebieten. Zugleich brachte man die Farben des Deutschen Kaiserreiches Schwarz-Weiß-Rot zur Darstellung. Das Denkmal selbst ist aus weißem französischem Kalkstein gemeißelt, die Rückwand bildete eine schwarze belgische Granitplatte, die Einfassung war aus rotem Sandstein. Der Unterbau bestand aus dem Granit des heimatlichen Bayerischen Waldes. Ein 30 cm hohes Ziergitter schloss die Nische mit dem Denkmal nach vorne ab.

 

F. DAS KRIEGERDENKMAL FÜR DIE GEFALLENEN UND VERMISSTEN DES 2. WELTKRIEGS befindet sich an der Westseite des alten Friedhofs. In ihm sind die Namen der Gefallenen und Vermissten eingemeißelt. Entworfen wurde das Denkmal vom Vertriebenenehepaar Gröhnke, das kurz nach dem Kriege in Kapfham wohnte.

 

G. DIE EHRENTAFEL FÜR 200 KRIEGSTEILNEHMER DES 2. WELTKRIEGS (Abb. s. u.) aus der ehemaligen Gemeinde Kellberg mit Foto-Portraits. Sie befindet sich im Vereinslokal Gasthaus Grübl, Kellberg.

Steter Dank sei der Wirtin des früheren Vereinslokales Gasthaus Schwarz, Frau Karolina Schwarz! Ihrem schnellen und furchtlosen Handeln ist es zuzuschreiben, dass in den Wirren des Umsturzes 1945 die materiell und ideell wertvollsten Vereinsgüter, die Vereinsfahne von 1884 und das Fahnen-Ordensband sowie die große Ehren-Chronik des 1. Weltkriegs erhalten blieben. Frau Karolina Schwarz nahm das Risiko auf sich, diese damals als militaristisch geltenden Vereinsgüter im Dachboden ihres Hauses hinter einem Bretterverschlag zu verbergen.

 

H. DAS GEDENKBUCH FÜR DIE 70 GEFALLENEN DES 2. WELTKRIEGS in der Kellberger Leonhardi-Kapelle unter einem spätgotischen Ölbergrelief aus der Watzmannsdorfer-Zeit. Dieses Gedenkbuch mit Fotos der Gefallenen und ihren Sterbetagen wurde 1972 von Josef Neumüller, Kapfham, angelegt und 1995 durch Christel Schätzl, Kellberg, erneuert.

Schlussgedanken

Bei dem vorgenommenen historischen Rückblick auf die soldatische Tradition Kellbergs kommt man nicht umhin, an die letzte Konsequenz des Soldatentums, an das Sterben im Felde zu denken.

Der Soldatentod ist immer gleich, bei allen Völkern, zu allen Zeiten. Er kann ergeben oder verzweifelt erlitten werden, schnell oder quälend langsam den Kämpfer ereilen, tapfer oder furchtsam erduldet werden. Die heroische Verklärung bei den Hinterbliebenen war und ist nötiger Selbstschutz, der Sterbende sah es sicher anders. Und es war unbedeutend, ob man unter der Losung „Für Gott, König und Vaterland“ fiel, für „Kaiser und Reich“ oder für „Führer, Volk und Vaterland“. Ob der Soldat aus Überzeugung und todesbereit fiel oder von Zwängen genötigt im Feld stand und starb, eines ist allen gemein, sie starben nicht für sich, sie starben für andere und damit für uns. Wir haben die Möglichkeit, diesen persönlichen Katastrophen eine letzte Würde zu geben, indem wir in Dankbarkeit an ihren Opfertod denken.